WELCOME TO THE GANG, DOM!

Mommy’s & Daddy’s we gotta talk.

Papa werden. Klar! Irgendwie war das immer ein Thema, immer ein Wunsch und als die Nachricht kam: „Du wirst ein Daddy“ war ich so happy. Geändert hat sich daran nichts … aber:

Der Tag, an dem du Papa wirst, verändert dein Leben.
Positiv. Na logo und klar das Leben der Mama auch, aber irgendwie war ich nicht so vorbereitet. Die gesamte Schwangerschaft über ist man dabei, freut sich und versucht ready zu sein. Aber wenn es soweit ist, ist plötzlich alles anders als man so gedacht hat. Scheiß auf die Vorbereitung, WELCOME TO THE REAL SHIT.

Und in deinem Vaterglück wirst du plötzlich mit so vielen Herausforderungen konfrontiert. Nehmen wir mal die Arbeit und das gesellschaftliche Leben. Du hast eine neue Aufgabe, aber irgendwie zieht das Drumherum nicht mit.

Herzlich Willkommen im neuen Jongliermodus.

Die Rolle des Vaters als wir, damit ist in erster Linie die Generation Y gemeint, aufwuchsen, war der Hauptverdiener und Verantwortungsträger zu sein.
Altes Rollenbild? Klar. Hat sich das geändert? Nicht wirklich, aber irgendwie doch schon. Viele Väter wünschen sich mehr Zeit mit der Familie und doch scheinen diese Wünsche oft nicht mit der Realität vereinbar. 

Wo bleibt sie, die familiäre Gleichstellung des Mannes? Und wo ist sie denn die Gesellschaft, in der beide Eltern zu gleichen Teilen arbeiten und die Kinder versorgen? Und wollen die Mamas den Dads wirklich die Hoheit in der Kindererziehung überlassen? 

In meiner Welt ist alles beim Alten.
Gerade Arbeitgeber sind nicht wirklich cool damit, dass du einfach Bock hast Vater zu sein, dass du dir Auszeiten nehmen willst, und manchmal auch einfach musst, wegen der Kids und um deine Partnerin zu unterstützen. Du bist Leistungsträger, im Business wird von dir alles weiter gefordert was du vorher geleistet hast. Aber deine Familie will auch Leistung von dir. Deine Entfaltung als Vater, irgendwie zweitrangig.

Fangen wir an mit der Elternzeit. Wie viele Väter ziehen das durch?
Ja klar, 2-3 Monate, ist irgendwie cool. „Finden wir ganz super, dass du ein moderner Vater sein bist und Elternzeit nimmst.“, habe ich gehört.
Gelebt wurde das nicht. So richtig ok war da gar nix.
Und dann kommst du zurück aus der Elternzeit und bist schwach. Dein Standing ist weg, plötzlich bist du angreifbar. „Ah, du musst schon wieder zuhause bleiben wegen der Kinder?“ Und dein Standing sinkt und sinkt. Und plötzlich bist du weg. „Sie bringen leider nicht mehr die Leistung, die wir uns wünschen. Ist vielleicht besser wir trennen uns.“ Rumms! Neuer Job, denn du hast ja was drauf! Mittelfinger in the Air und weiter geht’s! Aber so richtig raus kommst du aus der Nummer nicht mehr.

Aber auch zwischen den Mom’s und Dad’s gibt es Dinge, an die sich gerade die Papas erst gewöhnen müssen. Das fiel mir nicht immer leicht.
Mama sorgt in den ersten Monaten für das Baby, wir sind dabei, versuchen uns einzubringen, zu unterstützen, aber irgendwie bleibt das meiste an Mama hängen.
An der Stelle mal dicke Props an die Mamas.
Und dann wird es irgendwann so, dass wir Papas uns step by step doch so ein bisl ein eigenes Leben nehmen. Weil es klappt. Und zack bist du in der Zwickmühle, denn eins ist sicher, die Mamas fordern, dass die Väter sich einbringen, auch aktiv sind in ihrer Rolle

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Aber hey, Väter sind anders als Mütter und das ist gut so.
Sie sollen auch keine zweite Mutter sein. Idealerweise ergänzen sich die verschiedenen Persönlichkeiten und Herangehensweisen von Vater und Mutter und die Kinder lernen, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, aber in dieser Verschiedenheit genauso liebenswert. Und ist es nicht cool, dass Papa Dinge anders macht als Mama und umgekehrt. Warum also immer die Erwartung des „gleichwertigen“ Einbringens, statt des Einbringens wie es halt Papa-like sein kann und vielleicht soll.

Verständnis auf beiden Seiten ist da gefragt.
Viel reden. Sich auch mal in den anderen hineinversetzen. Aber auch einfach mal akzeptieren. Nicht reinreden, nicht denken, dass der Andere das jetzt richtig oder falsch macht.
Einfach mal machen lassen.

Und ey Papa, du kannst den ganzen Shit.
Macht es dir nicht bequem und überlass Mama das Ruder, nur weil es halt leicht ist zu sagen „Meine Partnerin macht das viel besser“. Nö, übernehmt Verantwortung und versucht da zu sein, wo ihr könnt, macht das, was ihr könnt. Es geht! Einfach irgendwie Bälle hochhalten beim Jonglieren. Übung macht den Meister.

 

Mein ultimativer Tipp an alle Väter (und werdenden Väter): NEHMT ELTERNZEIT!

Sorgt dafür, dass ihr mit euern Kindern Zeit alleine verbringt. Nicht gemeinsam mit der Mutter, zumindest nicht die gesamte Zeit, sondern alleine. Du und dein Kind.

Wenn du alleine bist und alles schaffen musst, ohne Hilfe, dann passieren ein paar Dinge:

Du lernst jederzeit wieder Verantwortung für deine Kinder übernehmen zu können. Wenn Mama mal krank ist, länger arbeiten muss, genervt ist oder eine Auszeit braucht. Dann bist du da und du weißt wie das Game läuft.

Du weißt genau, wie es ist, wenn du ständig jonglieren musst und akrobatische Verrenkungen machst, weil du ein kleines Kind versorgen musst. Das man einfach echt nicht dazu kommt die Bude aufzuräumen, Essen zu machen oder zu duschen, weil die „tiny terrorists“ mal wieder zugeschlagen haben.

Du bringst viel leichter Verständnis auf für deine Partnerin, für Arbeitskollegen, die halt auch mal daheim ein krankes Kind versorgen müssen oder bei denen die Kita mal wieder ausgefallen ist.

Du weißt, wie es ist, wenn die Kita anruft und dir sagt, du musst abholen, weil Junior heute einen kränklichen Eindruck macht oder beim Duplo spielen gekotzt hat.

Also begebt euch ins Daddy-Bootcamp.
Es gibt keine Bedienungsanleitung und die Taktik „Mama macht das dann schon irgendwie“ ist auch nicht so geil.
Ich weiß es aus eigener Erfahrung. Been there, done that und zugegebener Maßen, immer noch versuche ich heute jedes Schlupfloch zu finden, um nur „die coolen Sachen“ machen zu dürfen und den blöden Part bei Mami zu parken. Uncool, selbstkritisch muss ich es zugeben und doch handle ich ehrlicherweise nicht immer nach den Prinzipien, die ich hier gerade predige.
Aber hey, einfach weiter versuchen und gerade finde ich es ganz gut, dass ich mich mal selbst daran erinnere, was ich mal wieder mehr in Angriff nehmen sollte. Selbstcheck. Gute Sache.

 

Kommen wir zu dem was ich mir als Vater wünsche.

Es braucht ein partnerschaftliches Modell von Erziehung.
Die Väter müssen klar formulieren, was sie wollen. Die Mütter müssen sie lassen.

Vor Allem aber müssen Arbeitgeber sich vom alten „Anwesenheitsmodel“ verabschieden.
Puh, ganz schön viel verlangt. Und das dann auch noch alles auf einmal? Bis engagierte Väter mehr Zeit mit ihren Familien verbringen können und von ihrer ökonomischen Mehrbelastung befreit werden, ist es scheinbar noch ein weiter weg. Aber wir müssen kämpfen. Ich bin der Überzeugung, das geht alles. Wir müssen nur alle wollen. Familytime und Me-time, Arbeiten und Familie, Freizeit mit den Kids und eigener Sport oder mit Kumpels treffen.
Geht alles, hatte ich schon das Jonglieren erwähnt? Ach ja genau, Übung macht bekanntlich den Meister. Ok, ich wiederhole mich.

Aber ihr Lieben, believe me or not, bis wir alle soweit sind, lohnt es sich die neue Generation Superdad’s zu feiern. Die Papas, die sich Zeit nehmen, so viel sie eben können. Die wissen, was ihre Partnerin oder ihr Partner in der Kindererziehung leisten und das honorieren, während sie sich um den Haupterwerb kümmern. Die sich aber auch auf die Schulter klopfen dürfen, dass sie einer Verantwortung gerecht werden und versuchen irgendwie noch das bisschen mehr zu schaffen, was halt geht. 

 

Und jetzt weiter Bälle hochhalten Mom’s and Dad’s, wir schaffen das schon!